Deutschland: 1,65 Millionen Euro als Strafe für Klebekennzeichen an einem Sportwagen?

This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our use of cookies. More details

  • Der erfolgreiche Unternehmer Michael Stoschek ärgerte sich über die Größe und Form der deutschen Autokennzeichen. Die herkömmlichen Kennzeichen waren ihm zu groß für seinen Porsche 911 Cabrio und hätten seiner Meinung nach zu viel Luftwiderstand. Kurzerhand brachte der 67-jährige Unternehmer daher bereits 2008 selbstgefertigte Klebekennzeichen aus Folie an, die er der Optik wegen auch gleich um 20% verkleinerte. Die Folie wurde erst fünf Jahre später - im April 2013 - das erste Mal von der Polizei beanstandet und musste noch vor Ort entfernt werden. stellt aber kein allzu großes Problem für die Weiterfahrt dar, wenn man die Blechkennzeichen im Kofferraum hat, die "zur Not" an den Porsche schrauben kann. Weil die Kennzeichen aber, wie schon gesagt - zu groß und unelegant waren kamen bald neue Klebekennzeichen an den Porsche.


    (Quelle: Internet - Stoschek)

    Die beschlagnahmten Klebekennzeichen riefen allerdings die deutsche Staatsanwaltschaft auf den Plan, die ein Verfahren wegen Urkundenfälschung und Kennzeichenmissbrauch einleitete. Die Staatsanwaltschaft stellte fest, dass "aufgrund der geringen Größe (…) ein Ablesen des Klebekennzeichens auf der Fotografie einer Geschwindigkeitsmessung nicht möglich wäre. Immerhin konnte der Beklagte dagegenhalten, dass er im Jahr 2009 wegen einer Geschwindigkeitsübertretung geblitzt wurde und das Foto samt Strafbescheid zugestellt bekam. Das Gericht ließ sich aber zur Beweiserhebung auch nicht lumpen und mietete einen gleichartigen Porsche, verpasste ihm Klebekennzeichen, sperrte eine Bundesstraße und führte Blitztests durch, die ergaben, dass die Kennzeichen am Porsche generell - also die "originalen" wie auch die kleineren Klebekennzeichen - schlecht zu lesen wären, aber eben trotzdem erkennbar sind.

    Da die Tagessätze werden im deutschen Strafrecht auf Grundlage des Nettoeinkommens des Angeklagten ermittelt werden, wurde er zu 55 Tagessätzen zu je 30.000 Eur - dem deutschen Höchstsatz und insgesamt also unglaublichen 1,65 Mio. Euro - verdonnert.

    1,65 Millionen Euro als Strafe für Klebekennzeichen an einem Sportwagen? Hätte der Porsche statt des Klebekennzeichens überhaupt kein Nummernschild am Wagen gehabt, wäre es nur eine Ordnungswidrigkeit und kein Straftatbestand gewesen. Für die Ordnungswidrigkeit hätte er 60 Euro berappen müssen. Immerhin ist das Verfahren wegen Urkundenfälschung und Kennzeichenmissbrauchs nun vor dem Amtsgericht Coburg gegen eine Geldauflage (Bußgeld) in der Höhe von 150.000 Euro geworden. Die Einstellung von Prozessen gegen eine Geldauflage geschieht in Deutschland bei kleinen Vergehen oft.

    Trotzdem...für 150.000 Euro hätte der Porschefahrer fast 7 Jahre lang jeden Tag ein Bußgeld von 60 für fahren ohne Kennzeichen bezahlen können... :freak:

    1,753 times read